Der Thermomix: Marketing-Streich oder ein Alleskönner?

Thermomix


Es gibt wohl niemand, an dem der Thermomix von Vorwerk bisher vorbeigegangen ist. Verrückt nur, dass die Geburtsstunde des Thermomix bereits vor über 30 Jahren geschlagen hat und es mittlerweile einen riesen Hype um dieses Gerät gibt. Ist Der Thermomix wirklich so ein Alleskönner oder wird er einfach nur richtig gut vermarktet?

Was ist der Thermomix überhaupt?

Der Thermomix, auch Thermi genannt, ist das Gerät, was Frauenaugen zum Leuchten bringt. Zu erwerben ist der Thermomix ab 1.100€. Es handelt sich hierbei um eine Küchenmaschine, mit der es laut Vorwerk möglich ist, den Aufwand und die Dauer des Kochens zu reduzieren. Insgesamt verfügt der Thermomix über 12 verschiedene Funktionen. Er kann beispielsweise mahlen, zerkleinern, wiegen, dampfgaren und kneten. Durch die innovative Guided-Cooking-Funktion werden Nutzer Schritt für Schritt durch das Rezept geführt. Realisierbar wird das ganze durch den Rezept-Chip. Somit können Suppen und Eis im Nu hergestellt werden – ohne, dass man der geborene Koch ist. Erhältlich ist der Thermomix rein über das einst eigen aufgebaute Vertriebsnetz. So, wie man es von Tupperware gewöhnt ist. Irgendwann (meist Abends) trifft sich die gesammelte Gemeinde zu einem Gläschen Sekt und ein paar Häppchen und die Thermomix-Repräsentantin, die stolz den Thermi präsentiert.

Wieso mit dem Thermomix kochen, wenn es auch mit herkömmlichen Töpfen funktioniert?

Schälen, Schnibbeln und anbraten – das ist er Vorgang. Der Thermomix aber, verfügt über die so genannte Gelinggarantie. Viele sehen aufgrund der unterschiedlichen Funktionen ihn ihm eine Erleichterung – andere beklagen die fehlende Eingriffsmöglichkeit beim kochen. Durch den so genannten Cooking-Guide bekommt der Koch alles Schritt für Schritt erklärt und wird sogar per Musik darauf hingewiesen, wenn ein Arbeitsschritt beendet ist. Diese Rezepte und die daraus resultierende Arbeitsschritte befinden sich alle auf dem beigelegten Chip, welcher für das Kochen an dem Thermomix angebracht werden müssen. Es folgen Instruktionen wie „Mixdeckel aufsetzen“ gefolgt von„3 Minuten, Stufe 5, Temperatur 40 Grad“ werden hierbei vorgegeben.

Wie funktioniert der Vertrieb von dem Thermomix?

Der Thermomix ist ausschließlich über den Direktvertrieb zu erwerben. Der Vertrieb des Thermomixes kann auch ganz klar dem Empfehlungsmarketing zugeordnet werden. Denn entweder man muss an einer Thermomix-Party teilnehmen oder direkt Vorwerk kontaktieren. Nach der Kontaktaufnahme wird die passende „Repräsentantin“ zugewiesen und stattet dem Interessenten einen Besuch ab. Und genau das ist eines der großen Erfolgsgeheimnisse des Thermomixes. Denn die Repräsentantinnen sind selbst Thermomix Fans und schaffen es somit noch leichter bei potentiellen Kunden für Begeisterung zu erzeugen. Wichtig ist, dass der Kunde immer einen persönlichen Ansprechpartner hat und sich komplett bewusst ist über die Funktionen des Thermomixes. Denn wenn der Kunde das Gerät nach dem Kauf nicht mehr nutzt, stirbt der „Word-of-Mouth-Effekt“. Somit würde der Plan des Empfehlungsgeschäftes nicht funktionieren. Aus diesem Grund erhält jeder Kunde beim Kauf eines Thermomix ein Basis-Kochbuch sowie drei Ausgaben des Thermomix Magazins gratis dazu. In diesen Büchern und Magazinen bekommt der Nutzer noch einmal Tipps und Tricks um Umgang mit dem Nutzen von dem Thermomix näher gebracht. Hierdurch wird verhindert, dass der Thermomix auf der Küchenzeile einstaubt und die Benutzer den Thermomix durchgehend als ein Erlebnis empfinden.

Verkaufsschlager ohne Online-Vertrieb?

Vorwerk setzt bei dem Thermomix ganz stark auf Content Marketing. Das bedeutet, dass online Inhalte generiert werden, nach denen der Kunde sucht. Denn Thermomix Inhalte findet der Nutzer noch weit über die Website hinaus. Beispielsweise auf Pinterest, Facebook und Youtube sind Inhalte über den Thermomix verfügbar. Hauptsächlich der Austausch mit den Nutzern über Facebook ist Vorwerk sehr wichtig. Sie bieten über den Informationsgehalt den Nutzern noch eine besondere Art an Service und treten mit den Kunden in einen direkten Dialog. So startet den Aufruf, wer die besten Rudolph-Kekse backt oder startete die Aktion „TIY“ – Thermomix it yourself. Hierbei wurde ein halbes Jahr vor Weihnachten der „Schenk mal was“-Tag aufgerufen. Hintergrund dieser Aktion ist, dass viele Kunden den Thermomix nutzen um kleine Geschenke herzustellen. In Kooperation mit einem Etikettenhersteller konnten die Thermomix-Nutzer somit das perfekte Geschenk herstellen.

Ist der Thermomix nun also eine Wunderwaffe oder alles nur ein Ergebnis aus gutem Marketing und Vertrieb?

Es lässt sich zusammenfassen, dass der Thermomix eine Küchenmaschine ist, die in dem hektischen Arbeitsalltag für viele Personen eine klare Erleichterung darstellt. Viele gesunde Gerichte lassen sich im Handumdrehen kochen. Doch grundlegend betrachtet, bieten auch einige andere Küchenmaschinen - für einen kleineren Preis - ähnliche Leistungen. Fakt ist, dass die Kombination aus gutem Marketing und Vertrieb dafür sorgen, dass jährlich so viele Küchengeräte verkauft werden. Durch die gut gewählte Argumentation und vor Augen vorgeführte Produktpräsentation werden auch oftmals die letzten Kritiker überzeugt. Das Recruiting, welches darauf aufbaut ausschließlich Thermomix-Nutzer einzustellen, setzt der ganzen Verkaufsstrategie das i-Tüpfelchen auf.