Kann Social Media Marketing die Kirchen retten?

Modernes Marketing in kirchlichen Institutionen


Die Zahl der Menschen, die aus der Kirche austreten, wird immer größer. Im Jahr 2015 hatte in Deutschland die Römisch-Katholische Kirche 23,76 Millionen Mitglieder und die Evangelischen Landeskirchen 22,27 Millionen Mitglieder. Die Anzahl der Kirchenaustritte in der evangelischen und besonders in der katholischen Kirche ist gestiegen. Aus der katholischen Kirche sind beispielsweise zwischen 2000 und 2005 circa 114.000 Menschen ausgetreten und zwischen 2010 und 2015 lag die Zahl schon deutlich höher bei circa 167.000 Austritten. Langfristig gesehen haben die zahlreichen Austritte zur Folge, dass viele Kirchen geschlossen werden müssen. So müssen die Menschen, die die Gottesdienste weiterhin besuchen wollen, weitere Wege auf sich nehmen und vielleicht in den Nachbarort fahren, um dort in die Kirche zu gehen. Für Ältere könnte dies zum Problem werden.

Gründe für den Kirchenaustritt

Die Gründe für den Austritt aus der Kirche variieren zwischen den Menschen stark und sind individuell. Einer der meist genannten Gründe ist die Änderung der Kirchensteuer. Viele Mitglieder dachten, die Steuer wäre erhöht worden, dabei wurde nur das Einzugsverfahren der Kirchensteuer verändert. Oft spielen individuelle, negative Erfahrungen wie beispielsweise eine unpersönliche Taufe oder Beerdigungsfeier eine Rolle. Einige empfinden die Kirche als unglaubwürdig, andere sagen, dass sie auch ohne die Kirche christlich sein können.

Somit nimmt sie im Alltag eine immer geringer werdende Bedeutung ein. Dazu kommt, dass ein Paar, das aus der Kirche ausgetreten ist, seine Kinder nicht in der Kirche anmelden wird. Somit wird das „Publikum“ in der Kirche immer älter und die jüngeren Generationen weniger.

Wie sind Kirchen zurzeit im Marketingbereich vertreten?

Große Kirchen und Kathedralen wie das Ulmer Münster, die Frauenkirche in Dresden, der Berliner Dom oder der Dom zu Speyer haben alle eine aktuelle Website. Der Berliner Dom hat neben der Website eine Facebook Seite, der Kölner Dom hat daneben sogar noch einen YouTube Kanal und einen Instagram Account.

Wenn man nun die Kirchen in kleineren Städten betrachtet, egal ob evangelisch oder katholisch, findet man meistens auch jeweils eine Website zu der Kirche. Nur die Kirchen in ganz kleinen Ortschaften haben meistens keine eigene Website zu bieten.

Die allgemeinen Websites wie www.evangelisch.de und www.katholisch.de haben beide jeweils Verlinkungen zu Facebook-Seiten, Twitter-Accounts, Youtube-Kanälen und Instagram-Accounts. Katholisch.de hat sogar eine eigene kostenlose App, durch die man die Informationen der Website, wie beispielsweise die Organisationsstruktur der Kirche, ein Lexikon „Kirche von A-Z“, Videos aus eigener Produktion oder im Zusammenhang mit der Katholischen Fernseharbeit findet. Mit der kostenlosen Kirchenapp der Evangelischen Kirche Deutschland kann man durch die Umkreissuche offene Kirchen in der Umgebung finden. Zu den Kontaktdaten gibt es zusätzlich Öffnungs- und Gottesdienstzeiten. Für einige Kirchen bietet die App auch einen Audioguide an mit dem man die Kirche selbst erkunden kann. „Kulturkirchen“ ist eine weitere, kostenlose App der evangelischen Kirche. Sie dient als mobiler Reiseführer für kulturinteressierte Menschen, die mehr über Konzerte, Ausstellungen, Lesungen oder Führungen in den evangelischen Kirchen erfahren wollen. Auch die katholische Kirche hat eine App, die einen Überblick über die Standorte der verschiedenen Kirchen in Deutschland bietet. Dazu werden jeweils auch die Gottesdienstzeiten veröffentlicht.

Seit dem 19. Oktober 2016 gibt es eine App der Bibelgesellschaft, die den Text der Lutherbibel 2017 enthält. Die App ist noch bis zum 31. Oktober 2017, zum 500. Reformationsjubiläum, kostenlos.

Der Mensch und die Digitalisierung

Die Menschen sind immer mehr im digitalen Zeitalter zuhause. Sie werden nicht mehr durch klassische Werbung gelockt, sondern mit gutem Content und Social Media Marketing. Sie wollen Inhalte geboten bekommen, durch die sie sich informieren und bilden können, wollen aber auch gleichzeitig unterhalten werden. Das Ziel ist es somit Menschen für ein bestimmtes Projekt zu gewinnen und zu binden. Dazu braucht man eine Strategie, die von Akteuren mit Werkzeugen umgesetzt werden muss. Hierbei muss natürlich darauf geachtet werden, wer die Zielgruppe ist und wie man sie erreichen kann.

Nach ersten Überlegungen kommen dabei drei Zielgruppen in Frage. Die erste besteht aus den Menschen, die aus der Kirche ausgetreten sind, die zweite aus denen, die noch nicht mit ihr in Berührung kamen und die dritte aus den momentanen Mitgliedern. Die Menschen, die aus persönlichen Entscheidungen ausgetreten sind, kann man jedoch nicht mit Werbung jeglicher Art zurückholen. Deswegen bestehen die Hauptzielgruppen aus den jüngeren Generationen, die in der Kirche immer weniger werden. Darin sind die momentanen Mitglieder enthalten und die, die noch nichts mit dem Thema Kirche zu tun hatten. Am besten erreicht man diese durch Social Media Marketing, also beispielsweise mit Facebook, Instagram und Youtube. Auf diesen Kanälen muss dann für sie guter, ansprechender Content, wie Videos, Blogs oder Fotos, veröffentlicht werden.

Doch ist es wirklich so einfach mit der Mitgliedergewinnung für die Kirchen?

Kann Social Marketing Media die Kirchen retten? Die großen Kirchen und Kathedralen in Köln, Berlin, Ulm, Dresden oder Berlin haben, wie bereits genannt, Websites und teilweise Social-Media-Kanäle zu bieten. Auch die kleineren Kirchen sind online mit Websites zu finden. Neben den bereits aufgezählten Apps, gibt es noch viele weitere Apps der Evangelischen und Katholischen Kirche.

Doch durch Social Media Marketing können die wenigsten Mitglieder gewonnen werden. Die Menschen, die aus persönlichen Gründen aus der Kirche ausgetreten sind, können nicht mit beispielsweise Facebook davon überzeugt werden, der Kirche wieder beizutreten. Allerdings können die noch bestehenden, besonders die jüngeren Mitglieder, durch gutes Content Marketing und ansprechende Jugendarbeit gebunden werden, sodass diese nicht in der nächsten Zeit austreten. Natürlich könnte man auch probieren, ob die Mitgliederanzahl der Kirchen wieder steigt, wenn jede Kirche beispielsweise eine Facebook Seite, einen Instagram Account und einen Youtube Kanal hätte.

Doch das Problem liegt nicht am Social Media und Content Marketing. Das Problem liegt viel tiefer. Die Kinder werden von klein auf von den Eltern und von ihrem Umfeld geprägt. Wenn die Eltern aus der Kirche ausgetreten sind und für sie diese und der Glaube keine Rolle spielen, kommen die Kinder nur noch durch die Schule mit dem Thema in Berührung. Selbst wenn die Kinder dann auf den verschiedensten Social-Media-Kanälen vertreten sind, werden sie nicht durch die Top zehn Beiträge auf Facebook von einem auf den anderen Tag gläubig und wollen der Kirche beitreten.

Somit würde wahrscheinlich nicht die beste Marketingstrategie bei der Mitgliedergewinnung für Kirchen helfen, da Glaube und der Kirchenbeitritt nicht durch Technik erzwingbar sind.